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In Tunis
Gewande bekleidet, wie es von armen Beduininnen getragen wird; das Gesicht hatte sich ein wenig zum Bessern verändert, und nun sah ich, daß sie nicht viel über zwanzig Jahre alt sein konnte. Ihr Puls bewegte sich, wenn auch nur leise.
Auch das Kind war nicht tot. Ich hatte einen kleinen Flaschenkürbis voll Wasser am Sattelknopfe hängen, nahm ihn herab und flößte dem Kleinen von der belebenden Flüssigkeit ein. Es schlug die Augen auf, aber was für Augen! Die Augapfel waren wie mit einer grauen Haut überzogen; das Kind war blind. Ich gab ihm mehr Wasser; es trank und trank und ließ dann die Lider wieder fallen; es war so erschöpft, daß es sogleich wieder in Schlaf verfiel.
Die Geier hatten sich wieder herangemacht. Wenn sie sich auch nicht bis her zu mir zu kommen trauten, so wagten sie sich doch an die Leiche und zerrten an den Knochen derselben herum, ein geradezu scheußlicher Anblick. Ich legte den Stutzen auf sie an und erschoß zwei von ihnen, worauf die andern mit heiseren Schreien davonflogen.
Die beiden Schüsse hatten die Frau erweckt. Sie schlug die Augen auf, erhob den Oberkörper, sah zunächst nur ihr Kind, streckte die Arme nach demselben aus, riß es an sich und rief:
»Weledi, weledi, ia Allah, ia Allah, weledi! - Mein Kind, mein Kind, 0 Allah, mein Kind!«
Dann drehte sie sich zur Seite, sah die Ueberreste der Leiche, stieß ein herzzerreißendes Wehegeschrei aus, wollte aufspringen, um hinzugehen, fiel aber vor Schwäche und Entsetzen wieder nieder. Sie sah mich nicht, weil ich auf der andern Seite stand. Da aber schien sie sich auf die letzten Augenblicke, welche ihrer Ohnmacht vorangegangen waren, zu besinnen, denn ich hörte den Ruf:
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